Volksbanken im Kreis Soest gehen auf Digitalisierungskurs

Bargeld bleibt beliebt – jeder zweite Kunde erledigt Bankgeschäfte Online

Soest. Online- und Mobile-Banking haben für viele Menschen den Besuch in der Bank überflüssig gemacht. Reine Service-Filialen, in denen der Berater Überweisungen für Kunden ausfüllt oder Bargeld auszahlt, sind auch im Kreisgebiet ein Auslaufmodell.


Trotz vieler technischer Neuerungen zahlen die Menschen hierzulande gerne bar. Die Verfügungen an den Geldautomaten der heimischen Volksbanken sind in den letzten zwei Jahren nahezu unverändert. „Vor allem kleine Beträge unter 5 Euro werden gern bar beglichen“, berichtet Bernd Wesselbaum aus Gesprächen mit Kunden und Händlern. Allerdings gewinnt im Vergleichszeitraum auch das Plastikgeld an Bedeutung. Vor allem die Girocard wird mit einem Plus von 9 Prozent immer häufiger genutzt. Ein Grund dafür sehen die Banker in der neuen Kontaktlos-Funktion. Schon jeder zweite Volksbankkunde im Kreis hat eine Kontaktloskarte, mit der kleine Beträge bis 25 Euro bequem ohne Geheimnummer oder Unterschrift bezahlt werden können. Noch in diesem Jahr gehen die Volksbanken einen Schritt weiter und führen die Girocard mobile ein. Dann wandert die Karte vom Portemonnaie ins Smartphone.

 
Generell regeln Kunden im Kreis Soest ihre Bankgeschäfte immer häufiger per Laptop, Tablet oder Smartphone. Das belegt der drastische Rückgang der beleghaften Überweisungen: innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der klassischen Überweisungsträger fast um ein Viertel reduziert. Die Banken müssen den Spagat schaffen, traditionellen Kunden ebenso gerecht zu werden wie der wachsenden Gruppe der Online-Banking-Nutzer. Bernd Wesselbaum: "Schon heute erledigen mehr als die Hälfte unserer Kunden ihre Basisgeschäfte digital.“ Die heimischen Genossenschaftsbanken passen sich dem veränderten Kundenverhalten an und definieren Kundennähe neu: „Wir erreichen unsere Kunden heute über andere Kanäle. Wir sind permanent über unserer App erreichbar, in sozialen Netzwerken oder im Chat. 2.000 Besucher nutzen täglich unsere Homepages, Tendenz steigend. Dagegen sind die Besuche in den Filialen rückläufig“, erklärt Bernd Wesselbaum. „Wir beschreiten den Weg der Digitalisierung weiter und haben Einiges geplant: Video-Legitimation, Video- und Chatberatung, ein digitaler Anlageassistent und neue Online-Serviceaufträge stehen noch an. Am Ende entscheidet der Kunde selbst, ob er persönlich oder digital bedient werden möchte.“


Die Frage, wie sich die Investitionen in digitale Lösungen mit der teuren Präsenz in der Fläche vertragen, stellt die Banken vor große Herausforderungen. Insgesamt haben die 5 Volksbanken noch 41 personenbesetzte Filialen. „Wir werden die Präsenz in der Fläche nicht aufgeben. Als regionale Kreditgenossenschaften haben wir eine starke Marke, die für hohe Qualität und Heimatverbundenheit steht. Die Menschen vertrauen uns, die Wachstumszahlen beweisen es. Wir werden den Service weiter digitalisieren und die Beratung intensivieren. Klar ist, wo viel Frequenz ist, bleiben wir auch weiter präsent. Bei schwach frequentierten Standorten müssen wir aber konsequent nach neuen Lösungen suchen. Innovative Filialformate wie Shop-in-Shop Lösungen sind eine Möglichkeit, Standorte zu erhalten", versichert Bernd Wesselbaum.

(Bild von links): Holger-Georg Schwarz (Volksbank Wickede), Herbert Hölting (Volksbank Störmede-Hörste), Bernd Wesselbaum (Volksbank Hellweg), Hans-Georg Funke (Volksbank Anröchte) und Stefan Hoffmann (Volksbank Beckum-Lippstadt)